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Mein Kind isst kein Gemüse? – Monstamoons meets Babyspeck&Brokkoli

Gepostet am Jun 29, 2016 von in Crossovers, DIY, Leben mit KIDS, Tipps, Upcycling | 2 Kommentare

Text: Iris von Babyspeck&Brokkoli <3

Als mein sechs Monate altes Baby angefangen hat, feste Nahrung zu sich zu nehmen, war ich begeistert, wie eifrig und mit welcher Freude es die verschiedensten Gemüsesorten probiert hat und wie es bei Zucchini, Kohlrabi, Roter Beete und Co. beherzt zugegriffen hat. Wir haben uns für Baby led weaning (BLW), die breifreie Variante der Beikosteinführung entschieden, bei der das Baby selbst entscheidet, wovon und wie viel es essen möchte. Gemüse hat mein Zwerg genauso gern gegessen wie alle anderen angebotenen Lebensmittel. Aber irgendwann wurde mein Baby zum Kleinkind und damit ist auch die Ablehnung von vielen verschiedenen (auch vormals heiß geliebten) Gemüsesorten bei uns zu Hause eingezogen. Frei nach dem Motto: Früher hui, heute pfui. Gott sei Dank gibt es immer noch einiges Gesundes, das er gerne isst. Aber ich weiß natürlich nicht, ob das so bleibt. Nachdem ich mich ausgiebig mit Beikost und Ernährung von Babys und Kleinkindern beschäftigt habe, weiß ich, dass das Ablehnen von verschiedenen Lebensmitteln in diesem Alter völlig normal ist und sich für gewöhnlich mit den Jahren wieder ändert. Dennoch habe ich nicht vor, von jetzt an nur noch Pizza, trockene Nudeln und Pommes auf den Tisch zu bringen, weil mein Kind diese Dinge gerade bevorzugt. Im Folgenden könnt ihr lesen, was ich mache, um meinem Kind vielleicht doch etwas mehr Gemüse schmackhaft zu machen.

1. Ich versuche so oft wie möglich Gemüse anzubieten.

Das klingt jetzt recht banal, ist aber der allerbeste Tipp, den ich parat habe. Wenn Gemüse zur Verfügung steht, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass etwas davon probiert wird, automatisch. Gibt es kein Gemüse, liegt die Chance, dass mein Kind Gemüse isst, logischerweise bei Null. In der Praxis bedeutet das, dass ich bei so vielen Mahlzeiten wie möglich Gemüse anbiete: Rohkost zur Jause oder eine Gemüsebeilage zu den Hauptmahlzeiten, Cocktailtomaten und Gurkenscheiben in der Snackbox, vielleicht auch ein paar Paprikasticks zum Frühstück. Heißt das, dass mein Kind immer Gemüse isst, nur weil es auf dem Tisch oder auf dem Teller liegt? Nein, so ist das natürlich nicht – wie ihr wahrscheinlich aus eigener Erfahrung wisst. Das bringt mich zum zweiten Punkt:

2. Ich versuche mit gutem Beispiel voranzugehen und selbst viel Gemüse zu essen.

Unsere Kleinen schauen sich, wie in allen Situationen des täglichen Lebens, ihr Verhalten bei uns ab. Vor allem Kleinkinder wollen immer genau das tun, was die Großen auch machen. Wenn sie also sehen, dass die Eltern gern und oft zum Gemüse greifen, ist das ein Zeichen für sie, dass es sich dabei um Essbares handelt. „Mama und Papa essen das, vielleicht kann ich das auch probieren.“ Meiner Meinung nach bringt es also wenig bis nichts, dem Kind extra Karotten zu kochen, wenn ich selbst Schnitzel und Pommes esse. Wenn ich meine Ernährung so gestalte, dass viel Gemüse auf den Tisch kommt, kommt normalerweise auch etwas davon beim Kind an. Mein Versuch, das umzusetzen, ist:

3. Öfter vegetarisch kochen.

Wenn bei uns Fisch oder Fleisch auf dem Teller liegt, isst sich mein Kind immer zuerst daran und an den Sättigungsbeilagen wie Reis oder Nudeln satt. Das Gemüse kommt erst an die Reihe, wenn der Bauch schon voll ist. Bei uns gibt’s zum Beispiel des öfteren Gemüse-Couscous. Der ist als Hauptgericht sehr beliebt. Mein Zwerg verlangt nicht selten Nachschlag. Aber wenn ich dasselbe Gericht als Beilage zu Fisch oder Fleisch koche, wird es kaum angerührt. Gut, denken sich jetzt vielleicht viele, das mache ich alles. Ich biete Gemüse an, esse selbst viel davon und koche gern fleischlos. Trotzdem weigert sich mein Kind Gemüse zu essen. Trotzdem:

4. Ich biete Gemüse immer wieder an, auch wenn mein Kind üblicherweise nicht zugreift.

Das heißt, dass ich weiterhin auch Gemüsesorten zur Verfügung stelle, die bislang abgelehnt wurden. Irgendwann werden sie vielleicht doch noch interessant und mein Kind entschließt sich dazu, einen Versuch zu wagen. Bei uns hat das schon mit mehreren Lebensmitteln funktioniert. 2 Jahre lang wollte mein Kleiner zum Beispiel absolut keine Kartoffeln essen. Ich habe sie trotzdem immer wieder gekocht. ICH liebe sie nämlich – in allen Varianten, die man sich vorstellen kann. Ich habe natürlich nicht auf sie verzichtet, nur weil mein Zwerg sie nicht wollte. Und immer wenn wir Kartoffeln hatten, habe ich sie ihm angeboten. Manchmal hat er sie probiert, fast immer wieder ausgespuckt. Und dann kam der Tag, an dem er eine ganze Kartoffel gegessen hat. Mittlerweile isst er sie noch vor dem Fleisch. Immer wieder anbieten sollte aber nicht bedeuten, sich über die Abneigungen des Kindes hinwegzusetzen. Eines finde ich ganz wichtig:

5. Ich animiere mein Kind dazu etwas zu probieren, aber ohne es zu drängen oder gar zu zwingen.

Bei uns läuft das zum Beispiel so ab: „Magst du den Kohlrabi kosten? – „Nein.“ – „Bist du sicher, mir schmeckt der sehr gut.“ – „Nein, mag nicht kosten.“ Für mich ist diese Entscheidung dann OK – ich akzeptiere sie und versuche nicht, weiterhin den Kohlrabi in ihn rein zu bringen. Ich habe das Gefühl, dass dadurch die gesamte Mahlzeit gestört würde und, sollte solches Drängen zur Routine werden, das Essen an sich mit Druck und negativen Gefühlen behaftet wird. Zu viel Druck oder Zwang führt wohl eher zum Gegenteil dessen, was man erreichen will: zur Ablehnung aus Prinzip. Bei der nächsten Gelegenheit frage ich eben wieder, ob mein Kind Kohlrabi probieren möchte. Eine weitere Möglichkeit ist aber:

6. Gemüse auf verschiedene Art und Weise zuzubereiten.

Zucchini gebraten oder gegrillt rührt mein Kind zum Beispiel nicht freiwillig an. Der Versuch, ihm ein Stück davon auf den Teller zu legen hat mit lautem „Neeeeeeeeiiiiiiiiiiiiiin, ich will das nicht auf meinem Telleeeeeeeeeeeer“-Gebrüll geführt. Ok, ich hab’s verstanden. Er mag das nicht. Dann habe ich Spaghetti mit pürierter Zucchinisauce und Zucchinisuppe gekocht und siehe da, er konnte gar nicht genug davon kriegen. Dasselbe ist es mit Blattpinat. Als normalen Blattspinat isst er ihn nicht, in Knödeln oder Laibchen dafür sehr gern. Ich meine damit aber nicht, dass man das Gemüse „verstecken“ soll – das Kind soll schon wissen, was auf den Tisch kommt und selbst entscheiden, wovon es essen will. Nur schmeckt das eine scheinbar viel besser als das andere. Und auch was schmeckt, ist nicht jeden Tag gleich.

7. Geschmäcker ändern sich bekanntlich, bei Kindern oft sehr schnell.

Was heute Leibspeise ist, ist morgen bäh und umgekehrt. Mein Zwerg ist außerdem ein Kind der Saison – Tomaten im Winter werden nicht angerührt, im Sommer dafür massenweise verdrückt. Das aktuellste Beispiel bei uns ist aber Fenchel. Letztes Jahr war er eines der liebsten Gemüse. Ich habe ganz oft Fenchel gekocht und beim Zwerg war es immer ein voller Erfolg. Dieses Jahr ist das komplett anders. Fenchel ist pfui, Fenchel will er nicht und auch nichts, was direkt daneben gelegen ist. Ich nehme es mit Humor und freue mich, dass dafür Kohlrabi nun wieder „in“ ist. Was mache ich also, wenn ich etwas gekocht habe, das mein Kind komplett ablehnt?

8. Ich koche nichts extra.

Aber wenn mein Kind nicht essen will, was es eben gerade gibt, werde ich es sicher auch nicht mit Hunger „bestrafen“. Wir leben frei nach dem Motto: Butterbrot oder Banane gehen immer. Aber: die Chance, dass mein Kind isst, was es auf dem Teller hat, steigt bei uns deutlich, wenn es beim Kochen dabei war. Deshalb:

9. Ich bemühe mich, mein Kind mitentscheiden zu lassen, was auf den Tisch kommt.

Es darf das Gemüse mitauswählen und bei der Zubereitung helfen. Gemüse, das der Kleine selbst geschält, geschnitten, in die Pfanne geworfen hat, Salat, den er selbst gewaschen hat, isst er fast immer. Wenn er beim Kochen nicht dabei war, ist das nicht so sicher.
Und wenn all das nicht hilft?

10. Nicht verzagen!

Dass vor allem Kleinkinder sehr wählerisch sind oder Neues gar nicht probieren wollen, ist ganz normal und ändert sich normalerweise mit zunehmendem Alter auch wieder. Wenn ich daran denke, was mein Bruder und ich alles nicht gegessen haben, als wir Kinder waren. Ich jegliche Art von Pilzen inkl. Champignons, er Tomaten oder Gurken, beide keinen Salat, keine Rote Beete, keinen Kürbis. Die Liste ist lang. Mit zunehmendem Alter hat sich unser Speiseplan aber wieder erweitert und als junge Erwachsene haben wir beide wieder fast alles gegessen. Ich denke schon, dass die abwechslungsreiche Küche unserer Kindheit ein Grund dafür war. Es gibt fast nichts, was wir nicht gekannt hätten. Wenn wir z.B. auf Urlaub gefahren sind, wurden wir immer dazu animiert Unbekanntes zu probieren, „mutig“ zu sein. Genau wie unsere Eltern haben wir die verschiedensten Speisen gekostet und das meiste davon lieben gelernt. Immer war es aber auch OK, „nein“ zu sagen.

 

 

Weiterführende Tipps:

Auch Birgit erzählt in ihrem wundervollen Blog „Fräulein im Glück“ davon, wie schwierig es ist, ihrem Sohn Gemüse schmackhaft zu machen. Sie hat dazu einen ganz wunderbaren Artikel geschrieben: Achtsam essen mit Kindern. Wie man Kinder dazu bringt, Lebensmittel, die sie normalerweise total ablehnen, wenigstens zu probieren und ihnen eine echte Chance zu geben.

In einem BLW-Forum habe ich eine weitere schöne Idee gesehen: eine Mama hat ganz viele Obst- und Gemüsesorten schön geschnitten auf einen Teller gelegt und mit ihren Kindern Rankings gemacht. Was schmeckt am besten? Was am wenigsten gut? Die Kinder (können wohl schon zählen), durften auch Punkte vergeben. Scheinbar haben sie mit Freude fast alles probiert und sind draufgekommen, dass manches doch nicht so schlecht ist, wie sie geglaubt haben.

Meine Blogpartnerin Katha hat gelesen, dass eine Mama mit ihrer Familie einmal pro Woche einen Probiertag macht, wo die ganze Familie etwas für alle ganz Neues probiert, was sie noch nicht kennen. Die Kinder dürfen auch mitentscheiden, was ausprobiert wird, aber alle müssen an diesem Tag davon kosten – die Kinder und die Erwachsenen. Das ist eine gute Möglichkeit, den Speiseplan der Familie um neue und spannende Produkte zu erweitern und die Situation etwas Unbekanntes zu probieren ist für alle gleich – nicht nur die Kinder müssen hier über ihren Schatten springen.

Bei Kathas Tochter selbst hilft es, wenn sie Mama und Papa mit für sie neuen Speisen „füttern“ darf, bevor sie mit dem Essen beginnt. Kathas Tochter lässt also ihre Eltern zuerst vom Essen auf ihrem Teller probieren und kostet dann selbst.

Als Katha ein kleines Kind war, hat sie nur Neues probiert, wenn es klitzeklitzeklein geschnitten war. So wurde Lasagne zu ihrem Leibgericht. 😉

Iris schreibt zusammen mit ihrer Freundin Katha auf ihrem Blog „Babyspeck & Brokkoli“. Dort teilen sie neben gesunden, einfachen und abwechslungsreichen Rezepten für Babys, Kleinkinder und die ganze Familie vor allem ihre Erfahrungen mit Baby led weaning sowie Tipps und Infos für alle Eltern, die sich für diese Art der Beikosteinführung und die Umstellung von Brei auf Familienkost interessieren.

Und wenn ihr noch zusätzlich zu den Tipps, Gemüse für die Kinderküche basteln wollt, dann einfach hier downloaden und losbasteln:

 

Danke liebe “Babyspecks” für euren tollen Beitrag! Ich wünsche euch und allen LesernInnen eine wundertolle Woche!

Liebst, eure Lily

Gemüse

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2 Kommentare

  1. Danke für die tollen Tipps! Ein kleiner Helfer für Eltern könnte auch das kleine Kinderbuch “Wildes Gemüse” sein. Hier werden Gemüsesorten mit lustigen Illustrationen und Reimen vorgestellt. Das Buch macht echt Spaß und hilft dabei, von Anfang an eine positive Einstellung zu Gemüse zu entwickeln.

    • Danke für den Tipp!

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